Über uns |
|
l. Ökumene - genauer: Ökumenische Bewegung - beinhaltet die im 19. Jahrhundert einsetzenden und im 20. Jahrhundert entfalteten Bemühungen um die Wiederherstellung der Einheit und Gemeinschaft der im Laufe der Geschichte in viele Konfessionen getrennten Christenheit.
Diese Bemühungen nahmen nach dem 2. Weltkrieg (1939-1945) und nach der bitteren Erfahrung des Kirchenkampfes der Nazis (1933-1945) gegen Christen aller Konfessionen zunehmend auch in den Gemeinden sehr konkrete Gestalt an. Viele Kirchen und Gemeindehäuser waren durch den Krieg zerstört, man half sich gegenseitig und stellte einander Gottesdiensträume zur Verfügung. Dabei wurde den Christen und Gemeinden das Ärgernis der Kirchenspaltung mehr und mehr bewußt. In der Zeit der SED-Herrschaft im Osten Deutschlands (1945-1989) war die Gemeinsamkeit der Christen besonders gefordert gegen alle Versuche, Gott, Christentum und Religion an sich mehr oder weniger offen zu bekämpfen, mindestens aber als Überbleibsel vergangener weltanschaulicher Epochen hinzustellen, das durch die marxistische Ideologie bald ganz überwunden sein würde.
2. Bald nach 1945 entwickelten sich auch in Berlin-Weißensee erste informelle Kontakte der zwei zahlenmäßig größten Konfessionen am Ort, zunächst zwischen den Pfarrern der Evangelischen Gemeinde und der Katholischen Gemeinde und bald auch zwischenßder Evangelischen Gemeinde und der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten). Am 12. März 1979 gibt es eine erste gemeinsame Konferenz des Gemeindekirchenrates (GKR) der Evangelischen Kirchengemeinde mit dem Pfarrgemeinderat (PGR) der Katholischen Kirchengmeinde in Berlin-Weißensee. Ab 1986 werden regelmäßige Konferenzen der hauptamtlichen Mitarbeiterlnnen - der Ökumenische Mitarbeiterkonvent - zu einer festen Institution. Vertreten sind auf diesem Konvent unter jährlich wechselndem Vorsitz einer Konfession die Evangelische Gemeinde, die Katholische Gemeinde, die Evangelisch- Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) und die in Weißensee ansässige Stefanusstiftung.
3. Sichtbarer Ausdruck der Ökumene in Berlin-Weißensee ist die ständig zunehmende Zahl gemeinsamer Gottesdienste und sonstiger durchaus repräsentativer ökumenischer Aktivitäten. Hier sind aus der jüngeren Geschichte besonders erwähnenswert: Der Evangelische Kirchentag '87 in Berlin, die Friedensdekade im November, besonders in den letzten Jahren der SED-Herrschaft, die Fürbittgottesdienste in der Wendezeit 1989, die Vorstellung der neuen politischen Gruppen und Parteien, der Vorsitz am Runden Tisch in Berlin-Weißensee 1989-1990 durch die Pfarrer der weißenseer Gemeinden.
Ab 1970 wird der Weltgebetstag, eine über hundertjährige Gebetstradition christlicher Frauen in der ganzen Welt - immer am 1. Freitag im Monat März gemeinsam begangen. Die zahlenmäßig größte Veranstaltung mit bis zu 1000 Teilnehmern ist der Martinstag der weißenseer Kinder am 11.November. Christen und auch Nichtchristen lesen gemeinsam in der Bibel während der Ökumenischen Bibelwoche im Februar. Höhepunkt der Ökumene in Weißensse ist die Ökumenische Woche mit Begegnungen einzelner gemeindlicher Gruppen - Kinder - Jugend - Pfarrgemeinderat/Gemeinde- kirchenrat - ökumenischer Frauennachmittag. Festlicher Abschluss dieser Woche ist der Ökumenischer Pfingstgottesdienst aller weißenseer Gemeinden am Pfingstmontag.
Einen festen Platz im ökumenischen Jahreskalender haben inzwischen auch ein gemeinsamer Bußgottesdienst am Aschermittwoch und der Ökumenische Passionsgottesdienst vor Ostern. Alle Gottesdienste werden von den Kirchenchören und dem Bläserchor der Evangelischen Gemeinde mitgestaltet. Außerdem gab es in den vergangenen Jahren immer wieder ökumenische Gottesdienste zu besonderen politischen Anlässen.
Alljährlich gibt der Bläserchor der Evangelischen Gemeinde gemeinsam mit dem Bläserchor der Stefanusstiftung der Feier des Palmsonntags der Katholischen Kirchengemeinde einen festlichen Rahmen. 1998 waren die weißenseer Gemeinden Gastgeber und Mitgestalter der bundesweiten Eröffnung der Ökumenischen Woche für das Leben.
All das hat dazu geführt, daß die Christen in Weißensee mit einer großen und inzwischen selbstverständlichen Offenheit einander begegnen und über alle noch vorhandenen Konfessionsgrenzen hinweg vielmehr das Gemeinsame ihres Christ-Seins im Blick haben als das, was sie - vor allem auch aus der Unterschiedlichkeit ihrer kirchlichen Tradition - voneinander trennt.
Für die Redaktion:
Peter Roske
(Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde St. Josef in Berlin-Weißensee von 1986-2001)
Berlin, 19. März 2001
