Dialogpredigt zu Pfingsten

Dialog-Predigt zum ökumenischen Gottesdienst Pfingstmontag 2013:

Was uns hält… 

 TM: das Leben ist ein Mobile

 AZ: mobil sein

 TM: mobile.de – da geht’s nur um Gebrauchtwagen

 AT: Mobilitätsgarantie

 TM: T-mobile

 AZ: am roten Faden hängen

 TM: Was ist der rote Faden?

Textlesung Johannes 6,60-69: 

6,60 Empört sagten viele seiner Jünger: »Was er da redet, ist eine Zumutung! Wie kann man von jemand verlangen, sich so etwas anzuhören?«

61 Jesus war sich bewusst, dass die Jünger über seine Worte empört waren. »Daran nehmt ihr Anstoß?«, fragte er sie.

62 »Und ´was werdet ihr sagen,` wenn ihr den Menschensohn in den Himmel zurückkehren seht, dorthin, wo er vorher war?

63 Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch ist dazu nicht fähig. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben.

64 Aber es sind einige unter euch, die glauben nicht.« Jesus wusste nämlich von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wusste auch, wer es war, der ihn verraten würde.

65 Er schloss mit den Worten: »Aus diesem Grund habe ich zu euch gesagt: Niemand kann von sich selbst aus zu mir kommen; es kann nur durch das Wirken des Vaters geschehen.«

66 Von da an zogen sich viele seiner Jünger von ihm zurück und begleiteten ihn nicht mehr.

67 Da fragte Jesus die Zwölf: »Wollt ihr etwa auch weggehen?« -

68 »Herr, zu wem sollten wir gehen?«, antwortete Simon Petrus. »Du hast Worte, die zum ewigen Leben führen,

69 und wir glauben und haben erkannt, dass du der Heilige bist, den Gott gesandt hat.«

Du hast Worte ewigen Lebens.

AZ: Der Blutdruck steigt, der Ärger auch. Die Jünger sind empört. So steht es bei Johannes. Jesus ist eine Zumutung. Der Geist macht lebendig, sagt er.

Wenn mich etwas oder jemand begeistert, dann kann ich das spüren. Ich fühle mich lebendig, meine Augen weiten sich, mein Gesicht lächelt, meine Atmung, mein Herzschlag beschleunigen. Ich fühle mich lebendig mit Haut und Haar. Ist das bei Dir auch so?

TM: Ja, ich finde schon. Wenn ich begeistert bin, dann lebe ich auf: Dann kann ich mich sehr schnell erholen. Dann kommt ganz neue Kraft auf. Aber wenn ich empört bin, wenn ich mich ärgere, dann verschließe ich mich schnell dem anderen. Dann mache ich dicht. Und das macht einsam.

Ich glaube: Jesus war damals einsam. Viele Jünger wenden sich ja ab. Beweglich schienen die doch nicht – noch nicht. Denn das Evangelium muss erst noch kräftiger werden. Es muss sich noch entfalten.

Doch wie geschieht das? Durch eigene Kraft sicherlich nicht. Das wissen wir Christen. Wozu gibt es sonst Pfingsten? Gott schenkt uns seinen Geist, damit er uns ganz festhält.

AZ: Das Fleisch, das Irdische macht jedenfalls nicht lebendig. Wir wissen alle, wie vergänglich Leben ist. Meine Worte sind Geist und Leben, sagt Christus. Das, was ich dir gebe, was in dir Raum nimmt, das ist neues Leben mitten in dir.

TM: Das ist mir viel zu ungenau. Was meint denn Jesus mit Lebendigkeit? Ich sehne mich nach Leben. Viele Menschen wollen gerade jetzt aufleben: Lebendigkeit und Leben brauchen eine andere Qualität als unser Alltag. Das neue Leben muss sich irgendwie anders anfühlen – aber wie?

AZ: Lebendig werden, weil er zu mir kommt und in mir wohnt. Es geht um mich. Es geht mich an. Geistlebendig werden.

TM: Das müssen die Jünger aber nicht verstanden haben, denn sie haben sich ja aufgeregt. Fühlt sich denn ein begeistertes Leben mit Christus wirklich anders an? Wie macht der Geist uns heut‘ lebendig?

AZ: Manches ist so selbstverständlich, dass wir es nur wahrnehmen, wenn es fehlt. Wir atmen. Und nur, wer z.B. damit Probleme bekommt, erkennt, wie kostbar jeder so lebens-spendende erfrischende Atemzug ist.

TM: Heißt das, wir spüren Gott erst, wenn wir in Krisen stecken? Not lehrt zwar beten, so sagt der Volksmund. Aber den Heiligen Geist bekommen wir doch auch, wenn es uns gut geht. Nur nimmt man ihn dann oft nicht wahr.

Als ich über diese Frage nachgedacht habe, ist mir ein Gedanke gekommen: Die Jünger steckten zu Pfingsten in einer Krise. Zumindest davor – als Jesus weg war. Er ist doch in den Himmel aufgefahren. Und sie? Sie haben sich verkrochen. Doch plötzlich gehen sie hinaus – hinaus auf die Straße.

Nach langer Zeit, da trauten sie sich wieder. Von ihrem Glauben erzählten sie: Vom Grund ihres Glaubens, von Jesus Christus, dem Auferstandenen. Das muss ganz komisch ausgesehen haben. Sie wirkten ja, also ob sie ein, zwei Bier zu viel getrunken hätten. Doch dabei wirkt der Geist – und plötzlich sind die Jünger da. Sie laufen Pfingsten geradezu zur Hochform auf: Keine Angst mehr, kein Blatt vorm Mund. Sie hatten sich gewandelt. Der Geist ist da – und mit ihm ihr Gott. Das macht ganz mutig.

Ich wünsche mir das auch: Gottes Kraft und Gegenwart, sein Beistand und seine Ermutigung wird Pfingsten zur Gewissheit. Seid Jesus nicht mehr da ist, er ist ja auferstanden und aufgefahren in Gottes Himmel, ist der Heilige Geist Gottes Anwesenheit auf Erden. Durch ihn wird alles hier in einer göttlichen Balance gehalten. Nur scheint uns das oft lebensfern.

AZ: Gott – drei in eins, wie bei einem Kleeblatt. Und ich stimme dir zu: Die Heilige Geistkraft Gottes wirkt auf uns so weit entfernt – macht uns Mühe gerade an Pfingsten – obgleich sie uns mit jedem Atemzug begleitet.

TM: Das bedeutet: Jede erdenkliche Erfahrung mit Gott ist eigentlich eine Begegnung mit dem Heiligen Geist. Das macht man sich ja so nicht klar: Wo ich durch ein gutes Bibelwort auf Jesus stoße oder wo mich der Vater als Schöpfer durch eine schöne Blume anspricht, schafft dieser Geist in mir das Leben – ein neues Leben – ein Leben mit anderer Qualität, weil ich die unsichtbare Welt wahrnehme: Es ist die Welt mit einer neuen Weite – ein von Gott geliebter Lebensraum. Ein Lebensraum, in dem auch ich ganz plötzlich auflebe. So wie die Jünger doch zu Pfingsten.

AZ: Eine gute Vorstellung: Der Heilige Geist bietet mir eine Welt mit Weite und Qualität. Ich gehe in meinen Gedanken jetzt einen Schritt zurück: Das Leben im Fleisch, wie die Bibel das nennt, das ist doch das enge kleine Selbstgefängnis. Eine Art fleischliches Schneckenhaus mit Mobilzugang, LED Panoramafernsehen und dem selbstverständlichen Konsum aller Genüsse. Ganz schön begrenzt. Komisch, Enge gibt Sicherheit. Niemand stört mich in meiner Gartenzwergbehaglichkeit.

Ich denke da an den Grenzübergang aus der Schweiz kommend, da wird es auf der Autobahn immer gefährlich. Das ist dann Freiheit, endlich ohne Tempolimit das teure 4-Radspielzeug zu erproben, als wäre man im Kinderzimmer.

TM: Apropos Kinderzimmer: Dieses Beispiel finde ich gut: Denn in der Bibel heißt es, dass Gottes Geist uns sagt: Wir sind hier seine Kinder (Römer 8,14). Dann dürfen wir uns fröhlich ausprobieren, neue Gaben entdecken und auf unser Herz hören, wie Kinder es tun. Jesus hält die Kinder hoch. Ihnen gehört das Gottes Reich mit dieser geistgewirkten Weite. Kinder sind für ihn ein Vorbild.

Freiheit und Weite dürfen nicht abstrakt bleiben: Wir müssen das ganz ernst nehmen: Wir dürfen leben. Wir müssen uns als Christen ausprobieren; dann kommt Gottes Weite in das Leben hinein. Das finde ich begeisternd: Gott setzt uns Menschen also keine Grenzen mit dem Geist. Im Gegenteil: Er wird zur Freiheit für uns.

AZ: Nur, Freiheit und Weite im Denken darf nicht mit Beliebigkeit verwechselt werden. Das Leben ist heilig und kommt von Gott. Ob Stammzellenforschung, entgrenzte Klontechnologie oder gewinnorientierte Sterbehilfe – wir überschreiten heilsame und vernünftige Grenzen. Wir sind so frei, im Gemischtwarenladen der Möglichkeiten ohne Rücksicht maßlos einzukaufen.

TM: Richtige Freiheit meint bei Gott hier etwas anderes. Sie ist kein Zustand ohne Bindung. Sie muss dynamisch sein, wie ein Windhauch, der hier und dort weht – eben dort, wo uns unsere eigenen Lebensentwürfe einengen.

AZ: Raus aus der Enge! Leben im Fleisch darf uns Gottesleuten nicht genügen. Wenn wir Gottes Weite im eigenen Leben ignorieren, wenn wir die herrliche Freiheit der Kinder Gottes zurückweisen, dann verhöhnt das doch das liebevolle Angebot des Heiligen Geistes.

TM: Da hätten wir dann Mal die Sünde gegen den Heiligen Geist. Gottes Geist ist jedenfalls ein Geist der Freiheit. Das steht doch in der Bibel. Er ist ein Geist, der uns bewegt, auf Gott zu achten; seine Worte wahrzunehmen – wie bei einem Punktstrahler: Der wird auch immer heller und entfaltet nach und nach dann seine Strahlkraft. Wo Gottes Geist wie ein Lichtstrahl unser Leben erhellt, da sind werden wir herausgefordert; so wie die Jünger in der Pfingstgeschichte von damals.

Textlesung Apostelgeschichte 2,1-6

1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander.

2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.

3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und setzte sich auf einen jeden von ihnen,

4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 4

6 Als nun dieses Brausen geschah, kam eine Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.

AZ: Wie willst du damit leben? Pfingsten – Wenn die Feuerzungen auf uns Platz nehmen. Ich will dankbar sein. Für die genutzten und ungenutzten Chancen, mich zu entfalten wie eine Raupe zum Schmetterling.

Ich will begeistert meine Angst überwinden vor Tod und Teufel, die Christus längst für mich und für dich besiegt hat. Ich bin erfüllt von Freude, wenn ich in Begegnungen spüre, wie Gottes Geist uns beschenkt. Wenn ich z.B. merke, ich verstehe endlich das wichtige Anliegen von jemandem mit einer Behinderung.

Oder: Wenn ich erlebe, dass Ruhe und heitere Gelassenheit uns, die wir gemeinsam einen Sterbenden begleiten, umarmt. Da wird es frei um uns. Und Platz für Gott!

TM: Gott spricht uns an. In unserer ganz persönlichen Sprache. So dass wir ihn verstehen können. Uns trennen nicht die Lehrgebäude. Er bringt zusammen, was zusammen gehört. Uns alle hält doch Gott durch seinen Geist. Die Ökumene ist dann Gottes Pfingstzeichen.

AZ: Ja, und die Unterschiede, wie wir unsere Liebe zu Gott zeigen, können und sollen bestehen bleiben. Auch das, liebe Geschwister, ist ein Zeichen Gott geschenkter Freiheit!

Denn wir dürfen als begeisterte Christen und Christinnen selbstbewusst genug sein, unsere Glaubensbuntheit zu genießen und gemeinsam feiern zum Lobe Gottes

TM: Und das tut gut. Und nicht nur uns, sondern vielen anderen Menschen auch. Ich denke da an LAIB & SEELE. Aus vielen Kleinigkeiten entstehen dort doch immer wieder große Wunder; Wunder, die zeigen, wie toll unser Gott ist. Und das hilft den Menschen. Mit ihnen hängen wir zusammen ab von Gottes Geist. Er ist der rote Faden, durch den Gott seine Welt aus Liebe festhält.

AZ: Auch uns hier und heute.

TM: Und dafür steht das Mobile. Amen

(Die Dialog-Predigt hielten Pastorin Anya Zademack [AZ] aus der Stephanus-Stiftung in Berlin Weißensee und Pastor Torsten Milkowski [TM] von der Baptistengemeinde Berlin Weißensee. Es gilt das gesprochene Wort)

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